SONY DSC

Jahresrückblick: So schön war es 2014 im Hofmobiliendepot

Blog // Böse Dinge // Bring dein Ding // Der perfekte Haushalt aus Papier

Das Jahr 2014 neigt sich schön langsam dem Ende zu. Die letzte Woche, voll gepackt mit Feiertagen, ist bereits angebrochen. Zeit für uns das vergangene Jahr mit all seinen Geschehnissen im Hofmobiliendepot noch einmal Revue passieren zu lassen. So haben wir in diesem Jahr nicht nur mit dem museumseigenen Blog gestartet, sondern können auch auf zwei Sonderausstellungen zurückblicken. Eine davon, nämlich Der perfekte Haushalt aus Papier, läuft sogar noch bis 11. Jänner nächsten Jahres.

Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks.

Diese Sonderschau fand von 19.2.2014 bis zum 6.7.2014 statt. Hier stellte man sich Fragen wie: Was ist Geschmack? Wer bestimmt, was gut oder schlecht, schön oder hässlich ist? Ein Diskurs rund um guten und schlechten Geschmack wurde gestartet und so die vom Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Berlin entwickelte Ausstellung nach Wien gebracht. Hier war es außerdem wichtig die historische und aktuelle Positionen einander gegenüberzustellen. So fanden über 500 Exponate aus dem Museum der Dinge in Berlin, dem Landesmuseum Württemberg, dem Hofmobiliendepot und anderen Museen für einige Monate ein neues Zuhause.

Begleitet wurde die Austtelung von der Aktion: Bring Dein Ding! Die BesucherInnen waren da zur aktiven Mitgestaltung eingeladen. Alle sollten ein ganz persönliches böses Objekt mitbringen und auf dem Gabentisch im Erdgeschoß des Museums hinterlassen. Jeder mitgebrachte Gegenstand bekam dann ein Identifikationskärtchen, ausgefüllt vom ursprünglichen Besitzer oder der ursprünglichen Besitzerin. Darauf sollte der Grund genannt werden, warum dieses kleine oder sogar große Ding denn so böse ist.

Regelmäßig haben wir am Blog über die einzelnen vorgeibrachten Stücke berichtet und noch mehr Hintergrundinfos geliefert.

bösedinge

Am 6. Juli fand schließlich die Finissage statt, bei der es auch den Markt der bösen Dinge gab, anlässlich dessen die am Gabentisch hinterlassenen Objekte verkauft wurden. Der Erlös kam dem neunerhaus zugute.

Außerdem konnte man in der Ausstellung Instagramfotos aufnehmen und diese mit dem Hashtag #boesedinge teilen. Unter allen die mitgemacht haben, wurden tolle Preise verlost.

Der perfekte Haushalt aus Papier. Bürgerlicher Alltag zur Zeit Mozarts.

Im Zentrum der Ausstellung, die seit 24. September läuft, steht der bürgerliche Alltag zur Zeit Mozarts und im Zusammenhang damit ein kulturhistorischer Schatz: Das Augsburger Klebealbum, ein minutiös eingerichtetes Spielzeughaus in Buchform. Klebealben sind die zweidimensionale Alternative zum Puppenhaus. Sie waren besonders im 18. Jahrhundert eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

IMG_1576

Die vorerst leeren Seiten eines solchen Albums wurden selbst gestaltet: Es entstanden die Gerüste von Innenräumen, Gärten und Straßenzügen. Zur Belebung der Plätze und Räume dienten Miniaturdarstellungen von Figuren und Objekten. Diese wurden auf Ausschneidebögen gedruckt unddann einzeln ausgeschnitten, koloriert und ins Buch geklebt. Die Auswahl reichte von Natur- und Landschaftsmotiven, Tieren, biblischen Szenen, Kinderspielen, Möbeln Küchenutensilien usw.

Am Blog haben wir Interviews zur Ausstellung geführt, unter anderem mit der Kuratorin Regina Kaltenbrunner.

Mehr Veranstaltungen: Kammerstück, Fotoausstellung und Bastelworkshops für die Kleinen

Und auch sonst war 2014 so einiges los im Museum.

Neben der Teilnahme an der Langen Nacht der Museen, wird ein Kammerstück an Original-Möbeln im Hofmobiliendepot aufgeführt und es waren weitere kleinere Sonderausstellungen, wie zum Beispiel mit Fotografien, zu sehen. Außerdem wurde viel gebastelt und für die Kleinen gibt es auch noch am 24.12. eine weihnachtliche Führung plus einem Workshop. So lässt sich auch die Wartezeit auf den Weihnachtsabend gut verbringen.

Wir wünschen Euch schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr! Bis bald im Hofmobiliendepot!

 

Dezember 22nd, 2014

C.Akdogan

Ordnung, Geradlinigkeit und Struktur

Blog // Der perfekte Haushalt aus Papier

Bei der aktuellen Sonderausstellung sind die Produktdesignerin Julia Landsiedl und die Grafikerin Cora Akdogan dafür vernatwortlich, dass die Ausstellung “Der perfekte Haushalt aus Papier” ein begehbares Klebealbum wird. All das, was das originale Klebealbum ergänzt und die Ausstellung erst lebendig werden lässt, ging durch ihre Hände.

Letzte Woche haben wir, um mehr darüber zu erfahren, mit Julia Landsiedl gesprochen. Heute unterhalten wir uns mit Cora Akdogan.

Sie ist seit 2008 in Wien als Grafikerin tätig und betreut öffentliche und private Museen, Stiftungen, wissenschaftliche Einrichtungen, kulturelle Institutionen und private Träger.

Wie war Ihre Herangehensweise an diese Ausstellung? Wie haben Sie sich da vorbereitet?

Der grundsätzliche Ablauf ist immer derselbe: Informationsermittlung, Konzept, Entwurf – interessant wird es mit dem jeweiligen Ausstellungsthema und seinen spezifischen Objekten.

In diesem Fall das Klebealbum und seine formalen Besonderheiten, die wir genauer unter die Lupe genommen haben – unendliche Abwicklungen, Dreidimensionales das zweidimensional dargestellt wird, falsche Perspektiven, Relationen, Größensprünge – das alles hat uns fasziniert und sollte unbedingt in die Ausstellungsgestaltung einfließen.

Auf was musste man bei der Gestaltung achten?

Insgesamt wird mit den Objekten relativ frei umgegangen. Aufgabe der Grafik war es in diesem Fall, im Kontrast dazu für Ordnung, Geradlinigkeit und Struktur sorgen – geworden ist daraus eine Mischung aus strenger, indexierter Ordnung und gestreuter Vielfalt!

Gibt es etwas, das Ihnen besonders Spaß gemacht hat?

Die Euphorie am Anfang, der Austausch und die Diskussionen zu Inhalt, Herangehensweise und Form – zu dieser Zeit ist noch alles möglich!
Die konkrete Formwerdung am Ende, während des Ausstellungsaufbaus – hier legen wir gerne auch selbst Hand an!

Es wird ein begehbarer “perfekter Haushalt” angekündigt. Was darf man sich da als perfekt vorstellen?

Perfekt? Perfekt ist einzig das Klebealbum selbst – mit all seinen Ungereimtheiten!

Foto der Ausstellung: © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

November 7th, 2014

landsiedl

Wenn das Weitergehen das Umblättern ersetzt

Blog // Der perfekte Haushalt aus Papier

Dafür, dass sich die Ausstellung “Der perfekte Haushalt aus Papier” in ein begehbares Klebealbum verwandelt, sorgte die Produktdesignerin Julia Landsiedl und die Grafikerin Cora Akdogan. Sie konzipierten gemeinsam so, dass sich die Ausstellung in einen Wanderweg durch das Klebealbum verwandelt. In einen Wanderweg, auf dem man nochmal intensiv wahrnehmen kann, welche Details sich auf den einzelnen Seiten befinden. Das Weitergehen ersetzt damit das Umblättern.

Dabei hieß es sich mit formalen und inhaltlichen Unregelmäßigkeiten, welche in einem Klebealbum zu finden sind und gleichsam für dieses charakteristisch sind, auseinanderzusetzen. Von verschieden großen Objekten und Menschen, bis hin zu schrägen Perspektiven, aber auch Stufen, welche nirgendwo enden, reichten da die Herausforderungen.

Dazu kommen farbenfrohe Tapeten und starke Bodenmuster, belebt wiederum von Objekten sowie Menschen, welche allesamt auch im Album vertreten sind.

Und genau dafür, dass die Ausstellung zu einer Entdeckungsreise, zu einer Tour durch das Klebealbum wird, eben dafür haben die beiden Designerinnen gesorgt.

Wir sprachen aus diesem Anlass mit Julia Landsiedl, um mehr über ihre ganz persönliche Perspektive, ihre ganz persönliche Sicht zur Ausstellung zu erfahren.IMG_1576

Was war Ihre Aufgabe im Rahmen der Ausstellung?

Als Ausstellungsgestalterin bin ich für alles Dreidimensionale zuständig. Konkret umfasst das das Bauliche (Entwurf, Planung, Ausschreibung, Produktionsabwicklung), aber auch das Arrangieren der Objekte und ganz generell “Look & Feel” einer Ausstellung.

Es geht viel um Übersetzungsarbeit, darum wissenschaftliche Erkenntnisse für BesucherInnen erfahrbar zu machen, sie zu überraschen, ihnen Ideen räumlich zu erzählen. Das passiert natürlich in Abstimmung mit einem größeren Team – KuratorInnen, Ausstellungsbau, GrafikdesignerInnen, Marketing etc. Bei einer Ausstellung arbeiten viele Menschen zusammen.IMG_1723

Es ist von einem begehbaren Klebealbum die Rede. Was war da die größte Herausforderung?

Die Ausstellung besteht aus über 130 ganz unterschiedlichen Exponaten. Wir wollten aber kein großes, buntes Durcheinander. Wir wollten Räume, in denen jedes Ding seinen ganz eigenen Platz hat; auch freundliche Nachbarn, mit denen es sich austauschen kann. So als hätte jemand das Ding exakt dort “hingeklebt”.

Die größte Herausforderung war das Zusammenspiel von Groß und Klein. Die Gestaltung sollte die zarten Klebealben unterstützen, sie aber keinesfalls “erdrücken”.IMG_1694

Haben Sie ein Lieblingsstück in der Ausstellung?

Ein einziges? Nein. Ich liebe jedes einzelne Arrangement. Ich hoffe, man sieht das! ;-)

Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Die Ausstellung ist u. a. für Familien konzipiert. Gesucht war, denke ich, eine Gestalterin, die große Wände aufstellen kann, sich aber auch für kleinere Exponate interessiert, gerne spielt und arrangiert.

Fotos der Ausstellung: © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Oktober 31st, 2014

Rokoko

Doppeltes Rokoko: Brettspiele im Museum

Blog // Der perfekte Haushalt aus Papier

»Der perfekte Haushalt aus Papier« ist eine in vielerlei Hinsicht verspielte Ausstellung: Im Zentrum steht schließlich ein Spielzeug aus dem späten 18. Jahrhundert, das Augsburger Klebealbum. Fast zur gleichen Zeit herrschte in Frankreich König Ludwig XV., der für seine prunkvollen Bälle und Gewänder bekannt war. Diese Welt inspirierte ihrerseits wieder ein Spiel namens Rokoko, das 2014 für den prestigeträchtigen Preis »Kennerspiel des Jahres« nominiert war. Was liegt also näher als ein Spielenachmittag im Museum?

Schneidern für den König

Bei Rokoko übernehmen die SpielerInnen die Rolle konkurrierender Schneidermeister zur Zeit Ludwigs XV.. Jede Schneiderei möchte das meiste Prestige für sich beanspruchen, indem sie die schönsten Kleider aus den prächtigsten Stoffen fertigt. Dafür brauchen sie geschicktes Personal, Stoffe, Garn, Spitze und natürlich das nötige Kleingeld für die Investitionen. Nur so kann es gelingen, dass Adelige in solchen Kleidern die besten Plätze am Ball des Königs ergattern, und damit dem Schneidermeister Prestige verschaffen. Zwischendurch muss allerdings auch das eine oder andere Kleid für schnöde Livres verkauft werden, weil sonst die Ressourcen knapp werden. Oder lohnt es sich eher, den Musiker in einem der Ballräume zu bezahlen, um sich einen Namen zu machen?

Motivation Taktik

Während sieben Runden sind die zwei bis fünf SpielerInnen immer wieder gefordert, schwierige Entscheidungen zu treffen: Manchmal ist langfristiges planen gefragt, manchmal rasches handeln, bevor jemand einem die vorhandenen Ressourcen wegschnappt. Wege zum Sieg gibt es viele, das macht Rokoko ebenso spannend wie anspruchsvoll. Ein weiterer Motivationsfaktor ist die Aufmachung des Brettspiels, die dem originellen Thema absolut gerecht wird.

Liebesbriefe

Als schnelle alternative zum Taktikspiel Rokoko steht beim Spielenachmittag im Museum das Kartenspiel Love Letter bereit. Es ist zwar ebenso prunkvoll aufgemacht wie Rokoko, enthält aber nur 16 Karten und ist in einer Viertelstunde durchgespielt. Hier geht es darum, einer Prinzessin über die diversen Mitglieder des Hofstaates einen Liebesbrief zukommen zu lassen. In der Spielmechanik funktioniert das dann so, dass man durch den geschickten Einsatz von Karten herauszufinden versucht, welche Karten die MitspielerInnen gerade in der Hand haben, um diese aus dem Spiel zu eliminieren. Ein großer Spaß für Familien und Freunde, KartenspielerInnen und Menschen, die sonst nichts mit Spielen anfangen können.

Termine

Am 12. Oktober 2014 fand der erste Spielenachmittag statt, unterstützt durch den Verlag Pegasus Spiele und die fleißigen SpielererklärerInnen vom Pegasus Support Team. Wegen des sonnigen Wetters kamen zwar etwas weniger BesucherInnen, dafür konnte der Spielenachmittag gleich in den wunderschönen Innenhof des Hofmobiliendepots verlegt werden. Die nächste Chance für eine Runde Rokoko oder Love Letter im Museum bietet sich am 30. November 2014 zwischen 14:00 und 18:00 Uhr im Hofmobiliendepot Wien.

 

Oktober 16th, 2014

Basteln mit Papierfiguren für die Kleinen

Blog // Der perfekte Haushalt aus Papier

Während der Sonderausstellung Der perfekte Haushalt aus Papier im Hofmobiliendepot, bei der sich alles um das Augsburger Klebealbum dreht, findet auch ein begleitendes Rahmenprogramm für die Kleinen statt. Neben Schulgruppen können da ebenso Kinder einfach so nach einer Führung durch die Ausstellung, unter Anleitung, zu Papier und Schere greifen.

Im Klebealbum geht es um die Darstellung diverser Szenen welche Situationen aus dem Leben nachstellen, ganz nach dem eigenen Belieben sollen diese nachgebastelt werden. Für die Schulgruppen in Rahmenform und für alle anderen darf der Schuhkarton, welcher auf einer Seite ausgeschnitten ist, als Zimmernachstellung herhalten.

Eine Übersicht über die Termine für Kinderführungen und das begleitende Programm für Schulgruppen findet man online.

SONY DSC SONY DSC SONY DSC

Oktober 7th, 2014

Kaltenbrunner (c)Peter Laub

Der perfekte Haushalt aus Papier: Die Kuratorin im Interview

Blog // Der perfekte Haushalt aus Papier

Vom 24. September 2014 bis zum 11. Jänner 2015 hält im Hofmobiliendepot eine neue Ausstellung Einzug. Sie nennt sich Der perfekte Haushalt aus Papier und trägt den Untertitel “Bürgerlicher Alltag zur Zeit Mozarts”. Dabei dreht sich alles um ein sogenanntes Klebealbum, das “Augsburger Klebealbum”. Es ist ein sorgfältigst eingerichtetes Spielzeughaus in Buchform.

Was man da alles entdecken kann und wie solche Klebealben vermutlich entstanden sind, verrät in einem vorab geführten Gespräch Regina Kaltenbrunner, die Kuratorin der Ausstellung. Die in Salzburg lebende Kunsthistorikerin haben wir dazu, bei einem ihrer Wienbesuche, zu einem Kaffee im Hofmobiliendepot getroffen.

Frau Kaltenbrunner, was wird man in der Ausstellung alles sehen?

Der Hauptprotagonist der Ausstellung ist das sogenannte Augsburger Klebealbum. Darunter versteht man ein Buch, ein zunächst leeres Buch, in das hineingezeichnet wurde und eben auch hineingeklebt. Und zwar ein ganzes Haus.

Von der Straßenszene weg, das heißt die erste Seite ist ein Platz in Augsburg. Und dann kommt ein zweiter Platz in Augsburg und da steht schon das Haus, um das es sich wahrscheinlich handelt.

Dann betritt man dieses Haus und geht durch die verschiedenen Dielen und Treppenhallen, die Vorratskammer, die Küche, in diverse Salons, in die Mägdekammer, ins Schlafzimmer, ins Herrenschlafzimmer, ins Kinderzimmer, in ein eigenes Wöchnerinnenzimmer und hat dann den grünen, den weißen Salon, bis hin zum Teesalon, Musiksalon und den Speisesaal.

17_00_Musiksalon_Klebe_neu

Wie darf man sich die einzelnen Zimmer vorstellen?

Die Räume sind unterschiedlich ausgestattet, sie werden immer prunkvoller und das reizvolle an diesem Klebealbum – eine Seite ist größer als A3, aber nicht sehr viel – ist eine sehr dilettantische Perspektive, in die dann höchst minutiöse Möbelstücke hineingezeichnet oder -geklebt wurden. Mit unglaublich viel Ak­ri­bie, mit ganz viel Liebe zum Detail.

Wie sieht das zum Beispiel aus?

Das ist dann so, dass die Vorhänge aus Stoff gemacht sind oder aus einem anderen Papier, man merkt, dass es gefaltet ist, als wären es Rollos, daneben hängt dann wirklich ein Seidenbändchen herunter, das die Kordel zum Aufziehen des Rollos ist.

Welche Hintergründe zur Entstehungsgeschichte gibt es zu erzählen?

Es ist ein Gang durch die Hausgeschichte, es ist ein Gang durch die Möbelgeschichte, es ist ein Gang durch die Modegeschichte. Man hat Ausschneidebögen verwendet, Augsburg ist im 18. Jahrhundert ein riesiges Zentrum für Druckgrafik gewesen. Die Verlage dort haben Ausschneidebögen aufgelegt.

Diese Ausschneidebögen hat es zu Themen gegeben. Auch biblische Szenen, Landschaften, aber eben auch Möbel und Straßenszenen. Das sind winzig kleine Kupferstiche, die man ausgeschnitten, angemalt und eben dann da hineingeklebt hat.

Dieses Augsburger Klebealbum ist eine Kombination. Man hat solche Kupferstiche, sowie ganz alte und zeitgenössische Ausschneidebögen genommen und hineingeklebt. Deshalb ist die Spannbreite zwischen den dargestellten Figuren, Möbeln und Einrichtungsgegenständen so groß.

Es werden außerdem auch Spieleabende (für Erwachsene und für Kinder) stattfinden?

Ja. Das Rahmenprogramm bezieht sich auf die Aktivitäten, die in diesem Klebealbum vorkommen. Da wird Tric Trac gespielt, damals hieß es noch nicht Backgammon, es ist aber im Prinzip dasselbe Spiel. Man sieht auch die Damen im Klebealbum ununterbrochen stricken. Daher kommt die Idee mit den Handarbeitsabenden.

4_Treppenhalle_L_2008_7_d

Wollte man auch etwas aus dem Album in der Ausstellung nachstellen?

Im Musiksalon zum Beispiel hätten wir uns bemüht, dass wir dieselbe Musik entweder in die Ausstellung bringen oder bei der Eröffnung spielen lassen. Mir haben Musikwissenschafter dann gesagt, dass die im Klebealbum dargestellte Formation nicht miteinander spielen kann. Es sind Musikinstrumente, die im 17. Jahrhundert üblich waren, neben Musikinstrumenten des 18. Jahrhunderts. Man hat offensichtlich einfach den Fundus den man an Ausschneidebögen im Haus hatte genommen und hineingeklebt.

Kann man sagen, in welchem Zeitraum das hineingeklebt wurde?

Zwischen 1780 und 1786. Genau Mozartzeit.

Man kann sich das so vorstellen, dass dieses Klebealbum dreidimensional ist?

Nein, es ist wirklich ein flaches Buch, man kann es durchblättern, es ist immer ein Innenraum aufgezeichnet, daher mit ein bisschen Perspektive. Besonders reizvoll ist, dass man Schranktüren aufmachen, aufklappen und dann in dieses unglaublich ordentliche Innenleben hineinschauen kann.

Man hat des Weiteren die Möglichkeit Zimmertüren zu öffnen. Es ist immer so angelegt, dass man in der Phantasie von einem Zimmer ins andere weitergehen könnte.

Einmal sieht man in den Garten hinaus, einmal ins nächste Schlafzimmer hinein.

Dadurch wird es ein bisschen dreiminsional und auch, weil zum Beispiel das Bettzeug und die Vorhänge aus Stoff sind.

Wir werden allerdings alles hinter Glas präsentieren und die Türen bleiben geschlossen. Alles was hinter den Türen verborgen ist, wird dann mit Hilfe von Fotos gezeigt.

5_Gewölbehalle_L_2008_7_e

Wie viele Stücke werden in der Ausstellung zu sehen sein?

Das Klebealbum besteht aus 19 Seiten. Das ist das Zentrum der Ausstellung. Und wir haben uns bemüht Objekte, die im Klebealbum vorkommen tatsächlich auszustellen. Die Ausstellung wird so gestaltet sein, dass man praktisch in ein Klebealbum hineingeht.

Das Album ist in den 90er Jahren nach Amerika gegangen, wo es zerlegt wurde und die Doppelseiten wurden auf Leinwand aufgezogen. Sie sind nun eben kein Buch mehr, sondern Bilder an der Wand. Auf der Transatlantikreise sind fünf Blätter verschollen gegangen, darunter auch das Widmungsblatt und der Einband.

Welche Stücke sind da präsent?

Wir haben Kinderbetten, in verschiedenen Formen, wir haben eine ganze Reihe von Scheren, weil die offensichtlich etwas ganz wichtiges waren in diesem Haushalt oder zumindest bei diesem Gestalter. Wir haben Möbel aus dem Hofmobiliendepot, wir haben sehr viele schöne Spiegel, wir haben Kücheneinrichtungsgegenstände. Auch Kerzen und Licht sind ein großes Thema, ebenso Kinderspielzeug und Steckenpferde. Wir haben uns Puppenhäuser ausborgen können, um zu zeigen, dass das Klebealbum eigentlich nur ein zweidimensionales Puppenhaus ist.

Ist bekannt, warum man solche Klebealben angefertigt hat?

Das ist eine schwierige Frage, weil letztendlich sind uns nur vier, fünf Klebealben bekannt. Und wir haben an und für sich gedacht, dass es ein Kinderspielzeug ist. Sie sind aber so fein gemacht, gerade das Augsburger, dass es eigentlich keine Kinderhand gemacht haben kann. Ich glaube eher, dass es für Kinder gemacht wurde oder es sollte ein Kind beginnen und dann haben die Eltern die Schere oder vielmehr das Federmesser übernommen.

Welche konkrete Geschichte hat das Augsburger Klebealbum?

Unser Augsburger Klebealbum hat eine besondere Geschichte: Das ist in den 90er Jahren zum ersten Mal publik geworden und damals hatte es noch ein Widmungsblatt auf dem “zur Erinnerung an meine Tante Regina Barbara Walther” steht. Deshalb weiß man wer die Eigentümerin war. Das ist eben Regina Barbara Walther, die die Tochter eines Goldarbeiters, Juweliers, Goldschmieds, vielleicht Goldhändlers in Augsburg war.

Sie war 1780 ca. 25 Jahre alt, da war sie also kein Kind mehr.

Es war wohl eher eine Freizeitbeschäftigung: Statt stricken, ein Klebealbum anzufertigen.

Wie kam es nun zu dieser Ausstellung?

Ich habe früher im Salzburger Barockmuseum gearbeitet und habe dort sehr gerne mit den Augsburger Kollegen zusammengearbeitet. Sie bewahren dieses Buch auf und haben es publiziert. Das war eine Ausstellung die ideal ins Barockmuseum gepasst hat. Dann hat Frau Dr. Barta (Anm. d. Red.: Dr. Ilsebill Barta ist für die wissenschaftliche Leitung der Ausstellung verantwortlich) die Ausstellung gesehen und sie nach Wien geholt. Hier ist sie nun aber fünfmal so groß wie in Salzburg.

Und so sah es während des Aufbaus der Ausstellung aus:

ausstellungcollage

Foto Kuratorin oben: Peter Laub

September 25th, 2014