Wie die “Böse Dinge” Ausstellung das neunerhaus unterstützt

Written by on Juni 3rd, 2014 // Filed under Blog, Böse Dinge

Die böse Dinge Ausstellung mag, was die Ausstellungsstücke angeht, durchaus böse sein. Dass sie nur das Böse im Sinn hat, stimmt aber keineswegs. Was sie so etwa Gegenteiliges, also Gutes, tut, möchten wir gerne näher erklären und haben dazu beim “neunerhaus – Hilfe für obdachlose Menschen” nachgefragt.

Was darf man sich unter dem neunerhaus vorstellen?

Das neunerhaus ist eine Wiener Sozialorganisation, die obdachlosen Menschen ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Das neunerhaus wurde 1999 gegründet. Wir sind eine junge, moderne Sozialorganisation.

Wir gehen einen neuen, innovativen Weg in der sozialen Integration von obdachlosen Menschen.

NeunerHaus BW 04_2013-059In drei neunerhäusern und den Housing-First-Wohnungen wohnen rund 350 Menschen. Rund 3.000 obdachlose Menschen jährlich versorgt das neunerhaus in der Arztpraxis, der Zahnarztpraxis und mit dem Team neunerhausarzt – Tendenz steigend. Mit dem Pilotprojekt “Housing First” haben wir einen komplett neuen Ansatz in die Wiener Wohnungslosenhilfe gebracht: Wohnungslose Menschen werden hier direkt in leistbare Wohnungen vermittelt und mobil von SozialarbeiterInnen unterstützt.

Wir ermöglichen obdachlosen Menschen mit unseren Angeboten ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Wohnen – und das so rasch wie möglich. Ziel ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten: Wir betreuen so lange wie nötig und so kurz wie möglich.

Wir bieten allen BewohnerInnen ein sicheres Dach über dem Kopf. Aber auch: körperliche Gesundheit, persönliche Stabilisierung sowie soziale und berufliche Integration.

Mit unseren medizinischen Angeboten schließen wir die Lücke im Gesundheitssystem für obdachlose Menschen und ermöglichen die Wiederteilnahme von wohnungslosen Menschen am Regelgesundheitssystem.

Wir durchbrechen den Teufelskreis Wohnungslosigkeit – Krankheit – Wohnungslosigkeit.

Dazu ist es notwendig, das Sozial- und Gesundheitssystem genauso wie soziale Arbeit und medizinische Versorgung miteinander zu verknüpfen: Denn wer sich um seine Gesundheit kümmert, lernt, sich auch wieder um sein Leben zu kümmern.

Wie wird das neunerhaus finanziert?

Das neunerhaus wird vom Fonds Soziales Wien gefördert und hat einen aufrechten Vertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse. Einen wichtigen Beitrag leisten auch die BewohnerInnen mit der Zahlung eines Nutzungsentgeltes beziehungsweise einer Miete.

Für nicht finanzierte Aufwendungen und um ambitionierte Vorhaben umsetzen zu können, ist das neunerhaus auf Spenden angewiesen. Seit 2004 ist das neunerhaus ständiger Träger des Österreichischen Spendengütesiegels.

Die Erlöse aus den Abendöffnungen der “Böse Dinge” Ausstellung, jeden vierten Donnerstag im Monat, und dem Markt der bösen Dinge, bei dem am 6. Juli böse Dinge aus der Ausstellung verkauft werden, kommen dem neunerhaus zugute.

Wie kam es dazu?

UnterstützerInnen, die Dinge selbst in die Hand nehmen und aktiv auf das neunerhaus zukommen sind für die neunerhaus Arbeit von zentraler Bedeutung – und so war es auch in diesem Fall: Frau Mag.a Josefa Haselböck vom Marketing der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. ist direkt auf uns zugekommen. Wir freuen uns sehr über diese gelungene Kooperation, mit der die allgemein- und zahnmedizinische Versorgung für obdachlose Menschen sowie die tierärztliche Ordination des neunerhauses unterstützt wird!

Haben Sie selbst auch schon ein böses Ding vorbeigebracht oder gibt es etwas, das Sie noch gerne in die Ausstellung bringen würden?

Ein konkretes Ding zwar nicht – jedoch viele Gedanken. Denn im Rahmen der Ausstellung geht es um die Frage, was Geschmack ist – und wie dieser gesellschaftlich definiert, und damit veränderbar ist. Damit regt die Ausstellung entlang von 500 historischen und zeitgenössischen „Geschmacksverirrungen“ auch Gedanken über Gesellschaft – Kunst – Macht an. Das Nachdenken über Gesellschaft, wie schnell sie sich verändert und dass sie auch ganz anders sein könnte und sollte ist etwas, das auch uns in unserer täglichen Arbeit begleitet: Wir arbeiten für eine gerechte Gesellschaft, die nicht in “Mitte und Rand” unterteilt ist und in der alle Platz haben. Weil Wohnen und Gesundheit Menschenrechte sind – und weil es eben auch anders sein könnte.

Foto: Klaus Pichler

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