Das Böse hat System

Written by on April 7th, 2014 // Filed under Blog, Böse Dinge

Über guten und schlechten Geschmack streitet man nicht, da hat wohl jeder Mensch seine ganz persönliche Definition gefunden. Doch was macht man, wenn man böse Dinge in eine Ausstellung packen möchte? Woran hält man sich? Wie definiert man Geschmack? Dazu hat man sich für die Böse Dinge Ausstellung die Publikation “Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe”, des Kunsthistorikers Gustav E. Pazaurek, aus dem Jahre 1912, zu Herzen genommen. Es handelt sich hierbei um einen Kriterienkatalog, welcher Geschmacksfehler aller Art schön übersichtlich einteilt. Dementsprechend konnte man auch die Ausstellung sortieren.

Welches böse Ding gehört zu welcher Kategorie?

Als Überthemen hätten wir da Materialfehler, Konstruktionsfehler, Dekorfehler und Kitsch.

Ergänzt werden diese Kategorien von 1912, in der Ausstellung, durch zu heute passenden Bezeichnungen. Da gesellt sich etwa Kadaverchic zu Artenschutzverbrechen und Umweltverschmutzung.

Aber nochmal zurück zu Pazaurek. Da finden sich etwa beim Materialfehler Material-Pimpeleien, die vor allem langwierige Freizeit-Bastelein aus minderwertigem Material oder aus Abfall sind. Dann gibt es da Materialprotzerei, was vor allem verschwenderischen Umgang mit kostbaren Materialien ausdrückt. Zu den Konstruktionsfehlern gesellen sich des Weiteren etwa Zweckkollisionen, gekennzeichnet durch Kombinationsobjekte, die gleichzeitig zwei oder mehreren Zwecken dienen, aber weder den ein oder anderen gut erfüllen.

Abnorme Formen oder Kunst als Ausrede?

Bei den Dekorfehlern finden sich abnorme Formen mit extravagantem Aussehen oder extremen Formgebungen und Proportionsverzerrungen oder auch eine Unterkategorie, die Kunst als Ausrede benutzt. Etwa mit der Anbringung von künstlerischen Dekorelementen, um diverse Materialfehler zu verdecken oder mit anderen Formverwirrungen, um Fehlkonstruktionen zu vertuschen.

Welches böse Dinge gehört zu welcher Kategorie?

Man sieht, da wurde ordentlich überlegt, genauer anschauen kann man sich die Übersicht der Kategorien am Beginn der Ausstellung und vielleicht auch das ein oder andere böse Ding selbst noch einmal einer Kategorie zuordnen. Außerdem kann man natürlich ebenso versuchen, für die eigenen mitgebrachten bösen Dinge eine passende Kategorie zu finden! Viel Spaß dabei!

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